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Transcription der Urkunde Kempten, den 27. September 1372
 | | Abschrift einer Urkunde von 1372 |
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Ich hainrich kuntzelmann wun(sch) chunt (wünsche kundzugeben) vnd v(er)gich (bekenne) offenlich mit disem brief allen den(en) die in ansehnet od(er) horent lesen .. umb die s(t)raflin vnd vnzu(c)ht (sträfliche
Gewalttat) die ich begannen han in dem gericht vnd in der stat ze kempten das ich minen aigen man .. den fintboner da wolt haben gevangen .. vnd darvmb ich gesworen hab ainen gelerten aide ze den hailgen mit vffgebotnen vingern hinder den paut (Pfad, Weg) ze kempten wie mich der darvmb busti
(band, verpflichtete) das ich das stats (stets) halten vund haben solt .. darvmb v(er)gich ich das sie mich darvmb also gebust hant das ich der Burger gemainlich der stat ze Kempten diener sin sol vnd in warten
(untertan sein) sol mit aim spiess zehen iar diu nachsten von dem Tag als dirr brief geben ist..
also wenn mich der paut ze kempten wer danne ie (irgend einmal) raut (Rute-Stab-Bischofstab-Bischof) ist od(er) der Stat ze Kempten pfleger ob ze der selben zit nit raut war manent (auffordern, mahnen) in den selben zehn iaren vnder ougen od(er) (vor ihren Augen oder) mit iren briefen das ich in danne berait sin sol und in dienen sol mit aim spiess vngevarlich (ehrlich) wa hin si mich dann je manent und sol das tun uff den aide den ich gesworen hab.. darzu sol ich vff dem selben aide wider der stat ze kempten noch wider die Burg(er) gemainlich (gemeinschaftlich) ze kempten nummermer (nie mehr) gesin (Ansprueche stellen) die wil ich leb mit dehainen (keinen) sachen ..
vnd des ze vrkund vnd vestnung aller vorgeschrib(enen) sache(en) so gib ich den obgenanten Burg(er)n gemainlich ze kempten und iren nachkomen und mit minem Insigel und ze merr (ferner mit) (dem) ziugknust (Zeugnis) mit mins swaugers Insigel (Schwagers Siegel) Burcken knopfs und doch im selb(st) au(n)e (ohne) schaden.. Der brief ist geben nach christes geburt dreizehen hund(er)t iar und in dem zwaie und sibenzgosten iar an dem nachsten mantag vor sant Michels tag.
Späterer Zusatz not[a]be[ne] Schreiber: W. d. Brunnmaister, Kempten
Das anhängende Siegel enthält den Wappenschild der Kuntzelmann: In Weiß ein auffliegender schwarzer Vogel oder Taube. Hainrich Kuntzelmann war 1373, 1383 1385 Bürger in Kempten. Sein Schwager Burk Knopf wird als Zinser im Stiftkemptischen Salbuch von 1394
erwähnt. 1398 war Jacob Kuntzelmann Bürgermeister in Kempten "ein mächtiger burger". Er war der Vetter von Hainrich, vgl Urkunde HSTA U812 vom 15.11.1390
Quelle: Aus den Unterlagen von Helmut Finckbein, Berlin, 1. Juni 1968 Urkunde HSTA Münschen Allg. STA RST Kempten U Faz.12 Nr. 54 (Quelle: Freyberg, "Regesta boicarum" 1841 Bd IX, S.285)
Anmerkung von Christian Finkbeiner Die Ergänzungen in den Klammern sind vermutlich nicht von Helmut Finckbein sondern von Herrn Freyberg. Not[a]be[ne] wurde von mir ergänzt. Die Deutungen von Paut (von Herrn Freyberg?) ist nicht zufriedenstellend. Die Abbildungen rechts unten geben Aufschluß über Größe und Herkunft des Dokumentes.
Der Mythos Fintboner - »gefundener Bohnenbauer« Dies also ist die Urkunde, die die Deutung "Fintboner" - "der gefundene Bohnenbauer" belegen soll. Meine persönliche Meinung ist, daß das Dokument überinterpretiert wird. Sicherlich neige ich auch dazu, Sachverhalte stark zu vereinfachen und sei es auch der Anschaulichkeit wegen, es ist und bleibt ein Hobby und aus diesem Grunde ist es auch legitim. Der Stammbaum der Finkbeiner wird auf einen einzigen in Baiersbronn ansässigen Jerg Finkbomer zurückgeführt. Ein schöner Gedanke, wenn er auch nicht 100% belegbar ist. Dennoch gilt es Mythos von Fakten sauber zu trennen. Man soll die Geschichten und Mythen, die in jeder Familie existieren in Ehren halten, gleichsam aber sich stets vor Augen führen, was an Information denn gesichert ist.
Was bleibt? Was bleibt ist der Name Fintboner; ein Leibeigener, der sich offensichtlich dem Zugriff seines Lehnsherrn entzogen hat. "Stadtluft macht frei" war zu jener Zeit ein geflügeltes Wort und irgendwie scheint es dem Fintboner auf diesem Wege gelungen zu sein, seine Freiheit zu erlangen. Der Lehnsherr
Hainrich Kuntzelman hatte sich wohl dem Stadtrecht widersetzt und sühnt sein Unrecht indem er 10 Jahre lang Wehrdienst leistet.
Wo liegen die Schwierigkeiten? Vom ethymolgischen Standpunkt ist die Bedeutung des Namens Finkbeiner unklar. Fest steht, daß, sollte er im Namen Fintboner seinen Ursprung haben, weder etwas mit dem Vogel "Fink" noch mit dem Gliedmaß "Bein" etwas zu tun haben kann. Mit Ausnahme der stets zweifelhaften Ausführungen in Halberts Familienbüchern ist mir eine solche Deutung allerdings auch noch nicht untergekommen.
Warum nicht »gefundener Bohnenbauer«? Ausschließen will ich es nicht, denn mir sind längst nicht alle Fakten bekannt, die sich um diese Namensdeutung ranken. Mein Kenntnisstand ist deart bescheiden, daß ich nur die Qual der Wahl habe, die eine oder andere Thoerie zu unterstützen, beziehungsweise abzulehnen.
Ein Beispiel ..."Die Deutungskunst Fintboner = gefundener Bohnenpflanzer ist jedenfalls allein schon sprachlich und grammatikalisch "unmöglich" - sonst erst recht. Das Suffix -er bezieht sich - wie beispielsweise in "Engländer" auf England oder in "Tänzer" auf Tanz) auf einen Ort oder ein Geschehen: einer der bohnt. Interessant - aber für eine Deutung des Namens Fintboner auszuschliessen - ist übrigens, daß das Wichsen oder Wachsen der Böden nur im niederdeutschen Westen bohnen statt im nd. Osten bohnern heißt. Die genaue Grenzlinie der Worte steht in Kretschmer 1918 Wortgeographie. Auch als Satzname wie Flickenschild = "Flick den Schild"(übername für den Schildmacher) wäre die Deutung Fintbon, "Find die Bohne" als übername z.B. für einen Kleinbauern nicht möglich, da man daran kein -er hängen kann! Es kann keinen Herrn Flickenschilder geben (höchstens einen Flickdieschilder!) Man muss natürlich auch in Betracht ziehen, daß die heutige Gartenbohne = Stangenbohne erst nach der Entdeckung Amerikas nach Europa gelangt ist, also nur die Vicia faba (Saubohne - als Viehfutter - oder deren geschwollenere Variante, die Puffbohne) gemeint wäre. Man kann nun leicht herausfinden, auf welchen Böden sie wächst (ich glaube nur auf leichten Böden) bezw. nicht wächst, (z.B. in staunasser, sumpfiger Lage?) um eine eventuelle falsche Deutung auszuschließen. "...
Und jetzt? Der Verfasser obigen Absatzes, Herr Alvermann aus Baden-Baden, verfolgt einen anderen Ansatz. Er vermutet, daß der Namen in einem Flurnamen seinen Ursprung hat. (Ich will seine Ausführungen hier nicht in voller Länge präsentieren. Natürlich kann ich nicht sicher sein, daß dies nun die tatsächliche und einzige wahre Bedeutung darstellt. Aber ich kann die Argumentation nachvollziehen.
In heutiger Sprache Ich hainrich kuntzelmann wünsche kundzugeben und bekenne öffentlich mit diesem Brief all denen, die ihn einsehen oder denen er zu Gehör gebracht wird, die sträfliche Gewalttat, die ich im Gericht und in der Stadt Kempten begangen habe, indem ich meinen Leibeigenen, den Fintboner fangen wollte, daß ich darum zu den Heiligen mit erhobenen Fingern dem Paut zu Kempten nachsprechend, einen
förmlichen Eid geschworen habe, indem mich dieser (der Paut) verpflichtete, das ich es (den Inhalt des Eides) stets halten soll. Darum bekenne ich, das sie (wer?) mich verpflichtet haben, daß ich den
Bürgern der Stadt Kempten Diener sein soll und ihnen zehn Jahre lang, von dem Tage an, an dem dieser Brief übergeben wird, mit einem Spiess untertan sein soll.
Wenn mich also der Paut zu Kempten, der dann irgend wann einmal Raut ist oder der Pfleger der Stadt Kempten, sollte zu diesem Zeitpunkt kein Raut verfügbar sein, der innerhalb dieser zehn Jahren mündlich oder schriftlich auffordern könnte, auffordert, daß ich dann bereit sein soll, und ihnen auf den Eid, den ich geschworen habe, ehrlich dienen soll, und tun was sie mich geheißen haben. Ferner soll ich auf den selben Eide niemals Ansprüche gegen die Bürger der Stadt zu Kempten stellen.
Zur Beurkundung und Festigung aller vorgeschriebenen Punkten gib ich den oben aufgeführten Bürgern der Stadt Kempten und ihren Nachkommen diesen Brief versiegelt und verbunden mit meinem Siegel und ferner als
Zeugnis mit meines Schwagers Burck Knopfens Siegel ohne ihm selbst damit zu schaden. Der Brief ist geschrieben im dreizehnten Jahrhundert und im zweiundsiebzigsten Jahr an dem nächsten Montag vor Sankt Michael (=Montag, den 27. September 1372 da Sankt Michael (29. September) ein Mittwoch war (Julianischer Kalender)).
Es bleibt beim Versuch Der unterschiedliche Sprachstil und auch die Unsicherheiten über die Bedeutung einzelner Begriffe verhindern eine ordentliche übertragung ins Schriftdeutsche. Doch ich glaube, daß der Text besser zu verstehen ist, als das Original und hoffe, daß ich mich vom Inhalt nicht zu weit entfernt habe.
Paut - der Weg? Paut kann nicht der Weg sein. Wer leistet hinter einem Weg einen Eid? "...hab ainen gelerten aide ze den hailgen mit uffgebotnen vingern hinder den paut ze Kempten...". Ein "gelerter" Eid ist ein "förmlicher" Eid. Deshalb denke ich, daß "hinder" im Sinne von "nacheinander" also temporal zu verstehen ist. Aus diesem Grund übersetze ich hier "nachsprechend". Dann muß Paut allerdings eine Person oder eine
Institution darstellen. "...wie mich der daumb busti (binden verpflichten) das ich das stets halten und haben solt...." Grammatikalisch kann hier "der Paut als auch "der Eid" gemeint sein. Der Weg kann aber niemanden an ein Eid binden. Der Satz "Der Eid soll mich binden, das ich den Eid stets halten soll" ist in sich redundant und meines Erachtens unsinnig. Am sympathisten ist mir der Gedanke, daß es sich einfach um einen Lesefehler handelt und nicht Paut sondern Pant(haleon) gemeint ist. Panthaleon ze Kempten ist einfach der Name eines Bürgers, der mit dieser Umschreibung hinreichend identifizeriert werden konnte. Familiennamen hatten sich noch nicht generell durchgesetzt und um
Misverständnisse zu vermeiden, wurde soweit es notwendig war, ein Flurname (wie Kempten), eine beschreibende Tätigkeit (Schuster) oder manchmal auch ein auffälliges körperliches Merkmal (Klein) dem Vornamen hinzugefügt.
Raut - ein Stab? Das paßt nun gar nicht. Selbst wenn Paut ein Weg sein sollte kann dieser kein Stab werden. Ein Bischof oder ein Rat könnte natürlich schon sein. Dies würde erklären, warum ein Raut nicht immer verfügbar ist. Ich weiß jedoch nicht, ob und welches Amt / Institution nun gemeint ist. Ich bin mir jedoch sicher, daß "Weg" und "Bischofsstab" keinen Sinn ergeben. Zumindest nicht in ihren wirklichen Bedeutung. Möglicherweise ist der Stab als Metapher gedacht und könnte sich zum Beispiel auf den Schultesstab bezogen haben, den Bürgermeister zu jener Zeit als Ausdruck Ihrer Amtswürde hatten.
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